Geschichte von Rovinj

Rovinj bis zum Ende des Mittelalters

Rovinj wurde das erste Mal als "Castrum Rubini" im Werk "Cosmographia", das von einem unbekannten Autor aus Ravenna/Italien verfaßt wurde, erwähnt. Das Buch stammt aus dem 7.Jhd. n.Chr. und enthält viele geografische Informationen, die sich auf das 5. Jhd. n.Chr. beziehen. Daraus haben viele Historiker geschlossen, daß die Stadt Rovinj zwischen dem 3. und 5. Jhd. n.Chr. gegründet wurde.
Archäologische Funde aus der Umgebung von Rovinj beweisen, daß sie schon in prähistorischer Zeit besiedelt war. Im Bronze- und Eisenzeitalter betrieben die in Istrien lebenden Histrer nachweislich mit dem griechischen und etruskischen Kulturkreis einen regen Handel.
Nach der - zeitweise - friedlichen Phase unter römischer Herrschaft setzte eine Besiedlung durch Stämme ein, die vor eindringenden Völkern und ungerechten Herrschern aus anderen Regionen flüchteten. Sie besiedelten vor allem Inseln wie St. Albanus, St. Katarina, St. Andrew und die vermutlich durch ein Erdbeben im 8 Jhd. n.Chr. untergegangene Insel Cissa. Zu Beginn der römischen Herrschaft erhielt der Ort, wo sich heute die Kirche St. Euphemia befindet, den Namen "Castrum Rubini". Später wurde daraus Ruigno, dann Ruignio, Ruvigo, Rov èigno, Ruwein, Rovigno, Rovinj. Die Siedlung wurde in Mittelalter mehrfach von Angreifern, die über das Meer und das Land kamen, verwüstet.
Im 12. Jhd. trug Rovinj mehrmals Konflikte mit den westistrianischen Städten Piran und Koper aus. Die venezianische Herrschaftsperiode begann, als Venedig die Nordadria als "Bucht von Venedig" deklarierten und Istrien als Vorposten und Schutzschild verwendeten. Auch wenn die venezianische Regierung Rovinj zeitweise kommunale Selbstveraltung zugestand, war die städtische Autonomie begrenzt, weil nur wenige wichtige und mächtige Familien die Möglichkeit hatten, Mitglieder in den Stadtrat zu entsenden.
Die venezianische Ökonomie war hauptsächlich auf den Handel ausgerichtet. Dadurch vollzog sich in Rovinj ein langsamer Wechsel zur Urbanität. Rovinj war zunächst eine Stadt der Fischer und Bauern, aber es gab auch einige Handwerker, Händler und Seefahrer. Wegen der rasanten Entwicklung im maritimen Sektor gab es zwischen einigen istrianischen Städten eine große Konkurrenz.
Im Mittelalter und der Neuzeit haben verschiedene Seuchen die Bevölkerung Europas dezimiert, aber Rovinj blieb aufgrund seiner exponierten Lage und seines besondern Klimas davon verschont.

Rovinj vom 16. bis zum 19.Jhd.

In der Phase zwischen dem 16. und 19. Jhd. wurden viele Küstenstriche Istriens von Flüchtlingen aus Bosnien, Dalmatien, Griechenland und Albanien besiedelt. Sie flohen vor dem expandierenden Osmanischen Reich. Die Bevölkerungszahl von Rovinj stieg rapide an und erreichte 1775 schon 13 788 Einwohner. Diese hohe Einwohnerzahl erklärt die typische rovinjanische Architektur des Stadtkerns: dicht gedrängte, hohe Häuser und enge Gassen ermöglichten eine vollständige Ausnutzung der knappen Siedlungsfläche. Nahezu jeder Raum der Häuser, in dem eine Familie lebte, hatte einen eigenen Schornstein.
In dieser Zeit war Rovinj auch deshalb ein bedeutender Handelshafen, weil Handelschiffe aus dem Nahen Osten auf ihrem Weg nach Venedig hier eine Zwischenstation einlegten. Rovinjanische Seeleute waren berühmt für ihre seemännischen/nautischen Fähigkeiten und ihren Wagemut. Sie bestanden auch in den Seeschlachten, die zwischen Venedig und dem Osmanischen Reich geführt wurden. Garzotto, nach dem heute eine Straße in der Altstadt benannt ist, war einer dieser rovinjanischen Kapitäne.
Nach 1650 war die Gefahr von Angriffen vom Land deutlich gesunken und deshalb fand eine Besiedlung außerhalb der schützenden Stadtmauern auf dem Festland statt, wo sich bereits ein Franziskanerkloster befand. Als die Meerenge, über die eine kleinen Brücke führte, den Austausch zwischen Insel und Festland mehr und mehr behinderte, wurde sie 1763 zugeschüttet.
Rovinj wurde so zur Halbinsel. Im 17. und 18. Jhd. entwickelten sich in Rovinj, das bis dahin hauptsächlich die Fischerei und Handel betrieb, auch die Hafenanlagen, der Schiffsbau und der Export von weißem und grauem Stein.

Rovinj vom 19.Jhd. bis heute

Während der österreich-ungsrischen Herrschaftsperiode erlebte Rovinj einen großen Aufschwung. Die meisten Fabriken und Krankenhäuser wurden in dieser Zeit gebaut. Rovinj entwickelte sich sowohl auf industriellem, maritimem und kulturellem Sektor und verbesserte damit die Lebensbedingungen seiner Einwohner.
Bereits 1816 wurde die Straßenbeleuchtung eingeführt, von 1819 bis 1840 die alte Schule gebaut, 1847 entstand eine Dampfmühle verbunden mit einer Nudelproktion, 1850 wurde die Istrianische Handwerkskammer gegründet, 1853 der Leuchtturm auf der St. John Insel in Betrieb genommen, von 1854 bis 1865 das Theater gebaut, 1852 die Zementfabrik, 1859 die große Mole, 1872 die Tabakfabrik, 1878 die Wachsfabrik, 1882 eine Glasfabrik und eine Fabrik zur Verarbeitung des Fischfangs, 1888 das Hospital, 1891 das Meeresbiologische Institut. Rovinj wurde an das Eisenbahnnetz angeschlossen; der erste Zug erreichte Rovinj 1876 von Kanfanar aus. Der Hafen Valdibora wurde vergößert und 1905 wurde die Straßenbeleutung auf Gas umgestellt, 1906 das Stadttelefon eingeführt.

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